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This is the archive for September 2004

Wednesday, September 29, 2004

via Pickings.de
Konkret online veröffentlicht einen Leitfaden für deutsche Berichterstatter zu Terrorismus, Separatismus, Widerstand usw. Damit man die "tschetschenischen Rebellen" nicht mit "Freiheitskämpfern" oder gar "Terroristen" verwechselt. Sehr zynisch!
Beispiel:
Separatisten: gibt es im Baskenland und auf Korsika. In Tschetschenien werden S. ->Rebellen genannt, auf dem Balkan Unabhängigkeitskämpfer

Friday, September 24, 2004

SpOn zitiert Donald Rumsfeld mit den Worten
"Gehen wir mal davon aus, dass wir versuchen, Wahlen abzuhalten, und wir bekommen das in drei Vierteln oder vier Fünfteln des Landes hin. [...] Ist das besser, als gar keine Wahlen zu haben? Aber sicher!"
Nein, ist es nicht. Es ist sogar schlechter. Entweder eine Wahl ist für alle Bürger offen, oder sie findet gar nicht erst statt. Denn wenn eine Wahl nur in Teilen des Landes stattfindet, und Bewohner von meinetwegen Falludscha nicht wählen dürfen, weil die Gewalt in ihrer Stadt zu groß ist und ein Wahllokal mit Sicherheit zerbombt würde, ist das zwar nur schwer zu ändern. Aber trotzdem schlechter, als wenn gar keiner gewählt hätte. Denn anschließend werden nicht nur die Terroristen sagen, daß die Wahl sowieso nicht legitim gewesen sei, und die neue Regierung nicht dem Willen der gesamten Bevölkerung entspreche.
Auch das tun sie sowieso, aber in dem Fall hätten sie sogar recht.

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß der Irak im Januar bereit sein wird, Wahlen abzuhalten. Und wenn, dann müssen die Urnen hinter den Luken von Panzern verstaut werden.

Friday, September 17, 2004

Antje Vollmer über Radioquote: "Das ist keine nationalistische Deutschtümelei" - SpOn
In einem Interview bei SpOn vertritt Anthe Vollmer von den Grünen ihre Position für eine Radioquote für deutsche Musik. So sollten z.B. 40% der Lieder, die in Radios gespielt werden, deutschen Ursprungs sein. Die Argumente, warum das 1996 noch nicht nötig war, und jetzt schon, sind, daß sich die Situation noch verschlechtert habe, und man gesehen habe, daß sich Qualität auf dem Musikmarkt nicht durchsetzen könne. Wenige von amerikanischen Plattenfirmen teuer beworbene Titel haben einen riesigen Marktanteil, während deutsche Musik nur 1,5% der gespielten Titel einnimmt.
Ich sehe das als ein zweischneidiges Schwert. Einerseits stimmt es, daß im Radio zumeist nur Mist gesendet wird. Klingelton-taugliche Lieder sind wochenlang auf den ersten Plätzen der Charts, während qualitativ gute Musik nur sehr selten gespielt wird. Das gilt unabhängig von der Herkunft. Es wäre aber problematisch, das wie in Frankreich durch eine gesetzliche Quote ändern zu wollen. Bei 40% deutschen Titeln fürchte ich, daß ich mir mehr Sido anhören müßte, keineswegs mehr Virginia Jetzt, 2Raumwohnung oder Wir sind Helden. Vor allem wenn eine "Anti-Oldie-Quote" gleichzeitig eingeführt wird, denn so oft bringen gute Bands auch keine Platten raus, daß man da nicht auch schlechtere Musik spielen müßte. Außerdem würden dann wahrscheinlich zwei oder drei deutsche Songs so bis zum Erbrechen wiederholt, wie es momentan mit englischen oder amerikanischen Liedern ist.
Andererseits bestünde dann wirklich die Hoffnung, mehr deutsche Bands kennenzulernen, und das Radio auch mal anschalten zu können, ohne F*ck it und Konsorten zu hören. Die GEZ-Gebühren wäre mir das Radio jedenfalls momentan nicht wert, außer im Auto höre ich es eh nicht, und da werde ich wohl auch auf Kassetten oder MP3s umsteigen, sobald ich nicht mehr gebührenbefreit werde. Das ist aber weniger ein Problem der Radios, sondern der Musikindustrie im allgemeinen. Auch auf CD kommt viel Mist raus, während viele gute Bands kämpfen müssen, um überhaupt ihre Platten rausbringen zu dürfen, weil sie dann vom durchschnittlichen Musikkäufer doch ignoriert werden. Weil sie nicht im Radio gespielt werden, könnte man jetzt sagen. Aber das ist eine beidseitige Beziehung, was man im Radio hört, kauf man, und was gekauft wird, wird gespielt. Bei den Radios könnte man mit so einem Gesetz ansetzen, um das zu ändern, aber ich weiß nicht, ob man damit Erfolg hätte, oder ob nicht die Presse das Gesetz schon vor der Einführung dermaßen als Zensur geißeln würde, daß es gar nicht erst dazu kommt.

Ich habe mir vor einer Woche einen Atari Portfolio gekauft. Ein PDA. Ein 15 Jahre alter PDA.
Heute hatte ich dann auch mal Zeit, mich damit zu befassen, und habe sogar nach einiger Bastelei mein Diskettenlaufwerk im PC wieder zum Laufen gebracht, um DOS zu booten und Daten auf den Portfolio zu schaufeln. Leider hat er natürlich nicht bescheid gegeben, als der Speicher voll war, wie ich es erwartet hätte. Und es war eh zu wenig Speicher da, um eines der übertragenen Programme auszuführen ;)
Das ist jetzt auch mein nächstes Problem: Ich habe von den 128 kB RAM 80 kB als Laufwerk formatiert, und damit zwar Platz, aber nicht genug Arbeitsspeicher übrig, um z.B. das Alice im Wunderland-Buch-Programm zu starten. Bisher laufen (außer den Internen Programmen) immerhin Game of Life, Galgenmännchen, die Türme von Hanoi und Star Trek. Das soll an Spielereien auch reichen.
Wenn ich aber nun auf dem PoFo programmieren wollte, müßte ich mir wohl ne Erweiterungskarte kaufen. Nochmal 128 kB würden wohl nicht viel bringen, aber eine 256k kB-Erweiterung ist erstens riesig, und kann zweitens nicht abgemacht werden, ohne die Daten zu löschen. Also auch sinnlos ;).
Naja, werde ich das Gerät halt erstmal als Adressbuch und Kalender ersetzen, dafür ist es ja von Haus aus geeignet, und nebenbei eine Runde Star Trek macht ja auch Spaß... Und wenn ich einsehe, wie sinnlos das Teil ist, setze ich es über ebay wieder ab ^^;;


Der PoFo auf meinem auseinandergebauten PC. Ich mußte den Festplattenrahmen rausnehmen, um an das Diskettenlaufwerk zu kommen, das aus irgendwelchen Gründen nicht funktionierte. Kabel ab und genauso wieder ran, und es ging natürlich wieder. Naja, jetzt habe ich nicht nur ein Diskettenlaufwerk, dessen Öffnung in das Gehäuse zeigt, sondern sogar ne DOS-Startdiskette drin ^^

Thursday, September 09, 2004

Stolpes Rache: Bund will 4,6 Milliarden von Toll Collect - SpOn
Wie der SpOn berichtet, wird der Bund von Toll Collect 3,56 Milliarden Euro Schadensersatz verlangen, und eine Million Vertragsstrafe, weil die Maut 2003 scheiterte. Das Schiedsverfahren ist eingeleitet. Toll Collect will natürlich nicht zahlen.
Müssen sie aber. Wenn sie so dumm sind, ihr System nicht erst mal zu testen, und rechtzeitig zu melden wenn es nicht funktioniert, dann sollen sie dem Bund auch das Geld bezahlen, das ihm deswegen entgangen ist. Das tut zwar den Unternehmen weh, aber das Risiko sind sie ja auch selbst eingegangen, es ist nun mal im allgemeinen so, daß man bei gescheiterten Projekten für den Schaden aufkommen muß.

Wednesday, September 08, 2004

Russland übernimmt amerikanische Anti-Terror-Strategie berichtet SpOn. In Zukunft wolle auch Russland präventiv Terrorlager zerstören, auch im Ausland. Dies sei eine Reaktion auf das Blutbad von Beslan.
Russland hat dabei nur ein Problem: Sie haben nicht die Militärkräfte wie die USA. Russland hätte nicht in den Irak einmarschieren können, sie haben ja nicht mal in den 80ern in Afghanistan Erfolg gehabt (wobei damals die USA den Muhadjedin noch geholfen hat). Letztendlich wird es darauf herauslaufen, daß Russland in Tschetschenien weiter Krieg führt, und auf Dauer nach und nach das Volk der Tschetschenen ausrottet. Eine politische Lösung kommt für sie nicht in Frage, ist aber auch gar nicht nötig, weil ja bis Beslan jahrelang Tschetschenien in den westlichen Medien ein Tabuthema war. Insofern hatten die Terroristen Erfolg, das Thema Tschetschenien dürfte jetzt - zumindest kurzzeitig - wieder diskutiert werden. Daß sie damit einer politischen Lösung nicht näherkommen dürfte ihnen inzwischen auch egal sein, es war wohl eher ein Racheakt für die tausende Kinder, die die russische Armee in Tschetschenien getötet hat. Legitim ist das nicht - aber fast schon verständlich.

Monday, September 06, 2004

Der neue Duden: Das unmögliche Wörterbuch - FAZ.NET - Feuilleton
Das Feulleton der FAZ lästert über den neuen Duden. Und bei vielen der Änderungen und Wiedersprüche stehen einem echt die Haare zu Berge... Die Lesezeit beträgt allerdings locker 20 Minuten, da zitiere ich doch lieber ein paar Stellen ;)

Dafür sind nun die Neuschreibungen stets an erster Stelle angeführt, was gewiß den Eindruck erwecken soll, sie seien die moderneren und besseren. So steht Epoche machend vor dem erst jetzt wiederzugelassenen epochemachend. Bei blutreinigend und blutstillend ist allerdings ein Fehler unterlaufen: die herkömmliche Schreibung ist Hauptstichwort, und die Getrenntschreibung - in beiden Fällen objektiv fragwürdig - folgt als neue, rotgedruckte Variante.

Auf überstürzten Abschluß der Arbeiten deutet auch ein redaktioneller Fehler bei § 47 hin, wo die Erläuterung einfach den Wortlaut des Paragraphen wiederholt. So "amtlich", wie er sich gibt, kann der Text nicht sein.

[...] Verbindungen wie leichtverletzt waren 1996 gemäß § 36 zugunsten der Getrenntschreibung beseitigt worden. Nun werden sie wieder zugelassen, wenn das Partizip "adjektivisch gebraucht" wird (was immer das heißen mag; eine Erklärung sucht man vergebens). Liegt als zweiter Bestandteil aber tatsächlich ein echtes Adjektiv vor, so ist nur Getrenntschreibung zulässig: leicht verdaulich, schwer löslich. Das ist an sich schon paradox; hinzu kommt aber noch, daß gerade das verbotene leichtverdaulich oft gesamthaft gesteigert wird (noch leichtverdaulicher) und damit seine adjektivische Qualität beweist.

Es gibt keinen Grund, großgeschrieben (in jeder Bedeutung) auszusparen, nachdem fettgedruckt, großgedruckt und das Kleingedruckte bereits wiederhergestellt sind.

Die Folgen für die Schule liegen auf der Hand: Deutschlehrer, die im Wörterverzeichnis nach fertiggestellt, saubergehalten oder sitzengeblieben suchen, finden zwar nichts, aber sie werden sich hüten, solche Schreibweisen als falsch anzustreichen, denn für einen intelligenten Schüler oder dessen rechtskundige Eltern sind sie aus K 58 ableitbar. [...]wiederherstellen darf laut neuester Dudeneinsicht nur zusammen-, wiederherrichten dagegen nur getrennt geschrieben werden, und bei wiederaufbereiten ist beides möglich. Es gibt Dutzende von unvorhersehbaren Entscheidungen dieser Art allein bei wieder-, wohl- und hoch-.

Vollgefressen darf man zusammenschreiben, wenn es "dickleibig" bedeutet, sonst nicht.

Damit haben die Reformer ihren allerdings recht seltsamen Grundsatz aufgegeben, die Schreibweise "nicht mit semantischen Informationen belasten" zu wollen - als ob es beim Sprechen und Schreiben um etwas anderes ginge als Bedeutungsvermittlung.

Die Reformer wollen nun für den Gebrauch "in manchen Fachsprachen" die abgeschaffte Großschreibung fester Begriffe wieder zulassen. Bereits in der Einleitung wird darauf hingewiesen, daß zum Beispiel der Goldene Schnitt wieder erlaubt sei. Schlägt man jedoch im Wörterverzeichnis nach, so scheint die Botschaft dort noch nicht angekommen zu sein, denn es wird, gerade unter Hinweis auf den fachsprachlichen Gebrauch ("Math.") ausschließlich Kleinschreibung erlaubt.

Wer künftig sprachrichtig einbleuen, schneuzen oder Zierat schreibt, macht einen "Fehler". Man muß schreiben mit behänden Schritten, mag es noch so widersinnig sein. Die Dreibuchstabenregel wird durch empfohlene Bindestriche ihrer Lächerlichkeit überführt: Eisschnell-Läufer usw. Die deutschtümelnde Zusammenschreibung englischer Fremdwörter bringt so unerfreuliche Gebilde hervor wie Slidingtackling, Suddendeath.

Und wer bis hierher gelesen hat, hätte eigentlich schon fast den ganzen Artikel lesen können :P

Thursday, September 02, 2004

Wie der SpOn berichtet, haben die Sicherheitskräfte in New York bisher 1760 Demonstranten gegen Bush festgenommen. Das ist einsame Spitze, der bisherige Rekord von 589 Festnahmen bei schweren Krawallen zum Parteitag der Demokraten 1968 ist eindeutig gebrochen, und Bushs Selbstdarstellung geht ja noch weiter. Vielleicht wollen sie auf 1776 Festnahmen kommen, um das Gründungsjahr der USofA wiederzuspiegeln, wie beim WTC-Ersatz? Aber dann wären sie jetzt schon zu nah dran, das können sie bestimmt über 2000 steigern.

Wednesday, September 01, 2004

via PlasticThinking: Moe's Blog.

Die CDU-Regierung in Hamburg plant, ein neues Polizeigesetz einzuführen, mit u.a. folgenden Neurungen:

. Verlängerter Unterbringungsgewahrsam: Bis zu 14 Tage sollen Menschen in Gewahrsam genommen werden können, von denen die Polizei glaubt, dass sie Straftaten begehen wollen. Voraussetzung ist eine richterliche Anordnung. Mögliche Anlässe: Chaostage, Fußball-WM 2006, anreisende Hooligans zu anderen Sportveranstaltungen etc.

. Verdachtsunabhängige Personenkontrollen: Die Polizei darf sich auch ohne konkrete Hinweise Ausweispapiere zeigen lassen und "mitgeführte Gegenstände in Augenschein nehmen".

. Videoüberwachung: An Kriminalitätsschwerpunkten dürfen Straßen und Plätze per Kamera überwacht und dies auf Video aufgezeichnet werden.

. Rasterfahndung soll auch ohne "unmittelbar bevorstehende Gefahr" möglich sein.

. Erleichterte Identitätsfeststellung: Menschen, die an einem verdächtigen Ort auch nur kurzzeitig "angetroffen" werden, dürfen kontrolliert werden. Bisher musste die betreffende Person sich dort länger aufhalten.

. Gezielter Todesschuss: In Extremsituationen, etwa bei Geiselnahmen, darf die Polizei einen Täter gezielt töten. Dies war auch bisher möglich - auf Grund einer Allgemeinklausel im Polizeirecht. Nun aber soll diese auch "finaler Rettungsschuss" genannte Tötung konkret geregelt werden.

. Elektroimpulsgeräte: Die Polizei bekommt Geräte, mit denen ein Täter laut CDU per Stromschlag für etwa eine Minute außer Gefecht gesetzt werden kann.

. Videoaufzeichnungen bei Verkehrskontrollen: Weil häufig Polizisten bei Verkehrskontrollen angegriffen werden, sollen diese aufgezeichnet werden.

. Autokennzeichen-Erkennung: Die Kennzeichen sollen computergesteuert überprüft werden. Die mobilen Kontrollgeräte geben automatisch Alarm, wenn ein zur Fahndung ausgeschriebenes Fahrzeug vorbeifährt.

Da bin ich mal wieder begeistert. Ein paar Punkte mögen ja sinnvoll sein, z.B. die Elektroimpulsgeräte oder die Aufzeichnung der Verkehrskontrollen. Aber Kontrolle der Ausweispapiere ohne Verdachtsmoment? Rasterfahndung ohne konkrete Gefahr? 14 Tage Polizeigewahrsam?
Das eröffnet doch einer Diktatur Tür und Tor. Jetzt muß nur noch ein Politiker entschließen, politische Feinde mithilfe dieser Maßnahmen zu kontrollieren, und man kann als in Deutschland politisch Verfolgter im Ausland berechtigte Asylanträge stellen.